
Digitales Corporate Design: Die konsequente Weiterführung der Digitalisierung.
Die Digitalisierung als Megatrend ist unaufhaltsam und in Hinblick auf Texte, Klänge, Musik,
Fotos und Videos nicht mehr ernsthaft zu bezweifeln. Wir vertreten die These, dass als Folge
zunehmend auch die Komposition dieser digitalen „Media Assets“ digitalisiert wird. Mit „digitalem
Corporate Design“ meinen wir, dass die bislang üblichen Prosa-Formulierungen im CD-Handbuch („
analog“) ersetzt werden durch standardisierte Regelformulierungen, die maschinell verarbeitet
werden können („digital“).
In originär elektronischen Medien – vorrangig dem Internet – ist dies längst üblich. Kaum
denkbar, dass hier Redakteure Seiten frei gestalten würden. Redaktionssystem stellen sicher, dass
nur der echte Inhalt verwaltet wird und nur logische Auszeichnungen wie Hervorhebungen genutzt
werden. Die graphische Repräsentation der Inhalte ist Aufgabe von Templates (Schablonen), einem
fest vordefinierten Repertoire von Darstellungsvarianten.
Auch im Printbereich helfen Office-Vorlagen, Musterdokumente oder Schablonen, betreffen aber nur
strukturell einfache Dokumente und organisieren dort Elemente in festen Rahmen. Von einer
wirklichen Automatisierung anspruchsvoller Dokumenten kann nicht ernsthaft gesprochen werden, der
Mensch bleibt die analoge Gestaltungsmaschine und Gestaltung ist eher ein ad-hoc Prozess mit der
Reaktion auf Einzelfälle als ein planvolles Vorgehen.
Warum ist der Automatisierungsgrad im Printbereich so viel geringer? Teil der Antwort ist, dass
das gestalterische Niveau hier weit höher liegt: Das Web von heute ist ein Medium ohne
Silbentrennung, nicht zu sprechen von mikrotypographischen Finessen. Ebenso differieren die
Zielsetzungen: Druckseiten ziehen Kosten nach sich, so dass eine platzoptimale Darstellung der
Inhalte erstrebenswert sein kann, zudem soll diese aber auch weiteren Ansprüchen wie Lebendigkeit,
Lesefreundlichkeit oder Abwechslung genügen. Das Verfolgen von Verweisen ist im Print umständlich („
Blättern“), Seiten weisen in beiden Dimensionen eine Endlichkeit auf, es gibt keine Scrollbalken.
Entscheidend ist auch, dass Druckdokumente sich nicht derart natürlich in lose gekoppelte
Einzelseiten zerlegen lassen, wie dies im Falle von Internetauftritten der Fall ist.
Trotzdem belegen Musterbeispiele (z.B. die Firma ERCO Leuchten GmbH), dass die Digitalisierung
des Corporate Designs auch für das anspruchsvolle Medium Print möglich ist. Das umfangreiche
Corporate Design von ERCO wurde in den 1970’ern in langjähriger Arbeit vom renommierten Designer
Otl Aicher formuliert und ist auch heute noch unverrückbar. Das CD-Handbuch macht aus der
Gestaltung einen Prozess, der einem systematischen Plan folgt und damit in letzter Konsequenz
automatisierbar ist.
Hierzu existiert das CD-Handbuch nicht nur verbal ausformuliert sondern parallel in Form einer
digitalen Regelbasis. Dies ermöglicht es einer digitalen Gestaltungsmaschine, fast beliebige Assets
sprachübergreifend zu einem CD-gerechten Dokument zusammen zu fügen. Genutzt wird dies zur
Generierung von Haupt- und Auszugskatalogen, für individuelle Angebote und technische Datenblätter.
Weitere Anwendungsfelder sind im Corporate Publishing beheimatet.
Die Erfahrungen mit der Firma ERCO belegen, dass auch preisgekrönte Produktkataloge
vollautomatisch auf Knopfdruck generiert werden können und dass dabei ein gutes Regelwerk äußerst
robust in Hinblick auf signifikante Änderungen im Produktportfolio ist. Auch zeigt sich, dass es
ein Aspekt der Qualitätssicherung und insofern wesentliches Prozessmerkmal ist, dass manuelle
Ad-hoc Eingriffe wie das Verschieben eines Bildes oder Kürzen eines Textes im Enddokument
kategorisch untersagt sind, selbst wenn genau dies von Kritikern des Ansatzes häufig als essentiell
betrachtet wird.
Legitim ist sicherlich der Einwand, dass sich das CD von ERCO durch einen hohen Grad an
Systematik auszeichnet und dadurch gut digitialisierbar ist. Die Erfahrungen mit anderen
Unternehmen zeigen aber, dass auch andere CDs diesen Ansprüchen genügen und mit Blick auf die
Zukunft dies gar ein expliziter Anspruch an ein CD sein kann.
Das digitale Corporate Design spart Zeit, Geld und Ärger; die Ursachen hierfür liegen auf der
Hand, betrachtet man nur das Musterbeispiel mehrsprachiger Produktkataloge mit tausenden
Einzelseiten. Gänzlich neue Möglichkeiten in der Kundenansprache werden sich zukünftig nach unserer
Meinung als ebenso entscheidend erweisen: Persönliche Angebote in Katalogqualität, individuelle
Zeitschriften mit entsprechenden Werbeschaltungen oder auf das Profil zugeschnittene
Rechnungsbeileger sind ohne eine Vollautomatisierung (und den Digitaldruck) nicht vorstellbar.
Spätestens hier ist ein maschinell verarbeitbares Corporate Design zwingend erforderlich – oder es
müssen Abstriche in der Qualität der Dokumente hingenommen werden.
Damit wird das formalisierte Corporate Design selbst zu einem „Asset“, einem Wert mit dem
Potenzial, die beginnende Prozessoptimierung im Marketing weiter voranzubringen, das angebotene
Informationsangebot stark auszuweiten und dabei gleichzeitig Geld zu sparen.
Ansprechpartner zu dieser These: Dr. Gero Presser,
gero.presser@quinscape.de
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